Leseprobe
Neue Arbeitsfelder als Holz- und Steinbildhauer / 97 Abb. 63 Johann Friedrich Böhler Taufe Christi, Taufdeckel, Liebfrauenkirche Arnstadt, 1749/50 Detail aus einem Foto von 1894 (Hans-Ulrich Orban, Arnstadt) zur Bedeckung des Täuflings bestimmtes Tuch). Johannes und Jesus sind als langhaarig, lockig und bärtig ganz dieser Welt verhaftet, wohingegen der Engel mit seinem glatten Gesicht und leicht abwesenden Blick entrückt wirkt. Während Johannes und Jesus miteinander kommu- nizieren, steht der Engel passiv assistierend daneben. Bei der Taufe mit diesem Deckel muss es sich um eine 1821 in der herrschaftlichen Ka- pelle erwähnte Taufe mit Haube handeln. Dieser Standort erklärt auch, warum diese Taufe nicht in den Kircheninventaren verzeichnet wird. Im Rahmen der historistischen Restaurierung der Liebfrauenkirche durch Hubert Stier in den Jahren 1880 bis 1888 wurde die Gruppe, die mittler- weile Beschädigungen aufweist, in der Südwestecke des Querschiffes aufgestellt, wo sie heute noch steht. Auf einer Fotografie von 1894 ist das Werk noch unversehrt nachweisbar. 329 Epitaph Zimmermann in der Kirche Rudisleben (1763/64) Das Epitaph für den Pfarrer Ernst Zimmermann (1685–1762) (Abb. 65) 330 entstand in den Jah- ren 1763/64. Zimmermann hatte jahrzehntelang in Rudisleben gewirkt, seit 1724 als Substitut seines Vaters und Amtsvorgängers, seit 1733 als Pfarrer. Am 28. Oktober 1763 wandten sich Zimmermanns Töchter, Sophia Beate Schumann und Dorothea Sabina Schönau, an das Arn- städter Konsistorium, da sie beabsichtigten, zum Gedenken an ihren Vater »ein Epitaphium aus Holtz, durch Bildhauer Arbeit fertigen zu laßen« und baten darum, dieses »in der hiesigen Kirche [Dorfkirche Rudisleben] aufstellen zu dürfen«. 331 Der mit der Ausführung dieses Werkes beauftragte Bildhauer wird in diesem Zusammenhang nicht erwähnt, da seine namentliche Nennung für die Erteilung der Genehmigung nicht erforderlich war. Es wäre für Zimmermanns Töchter naheliegend gewesen, den ebenfalls eng mit Rudisleben verbundenen Böhler mit der Fertigung eines Epitaphs für ihren Vater zu betrauen, muss dieser doch mit der Familie Böhler vertraut gewesen sein, Johann Friedrich Böhler schon als Schüler der Schule zu Rudisleben gekannt und wohl auch dessen weiteren Lebensweg verfolgt haben. Böhlers enge Verbunden- heit mit dem Ort Rudisleben, dessen Kirche und deren Pfarrer, aber auch stilistische Eigen- heiten des Epitaphs verweisen auf ihn.
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