Leseprobe

Quellen, Rezeption und Forschung / 9 Biographie vor allem Ichtershausen 6 von Bedeutung, der nordöstlich von Arnstadt in Richtung Erfurt gelegene Hauptort des gleichnamigen Amtes, nebenher auch die Residenzstadt Gotha. Günther I., Fürst von Schwarzburg-Sondershausen, und Friedrich III., Herzog von Sachsen-­ Gotha und Altenburg, haben auf Böhlers Entwicklung persönlich Einfluss genommen. Herzog Ernst August I. von Sachsen-Weimar, ab 1741 von Sachsen-Weimar-Eisenach, hat vergebens versucht, Böhler für seinen Hof zu gewinnen. Quellen, Rezeption und Forschung Die wichtigste Quelle zu Böhler ist der 1782, also noch zu Lebzeiten des Künstlers, von Christian Friedrich Timme in »Meusels Miscellaneen artistischen Inhalts« publizierte Text »Nachricht von dem geschickten Bildhauer Johann Friedrich Böhler und seinen Werken« . 7 Christian Friedrich Timme (1752–1788) 8 war ein vielseitiger Literat, als gebürtiger Arn- städter zudem ein Landsmann von Böhler. Er entstammte einer Familie, die in Arnstadt über drei Generationen das Amt des Hofgärtners innehatte: Auf Johann Timme (1653–1714) folgten dessen Sohn Johann David (1698–1772) und dessen Enkel David († um 1770). Christian Fried- rich Timme war ein Sohn von Johann David Timme und Halbbruder von David Timme. 9 Ein anderer Halbbruder, Christian Ludwig Timme (1728–1792), 10 war in Thüringen als Architekt tätig. Als solcher vermaß er 1767/68 Schloss Sondershausen, wobei Pläne entstanden, die leider nicht überliefert sind. Um 1770 wanderte er nach Surinam aus, wo er in Paramaribo als Bauinspektor wirkte. Timme, als Autor der deutschen Spätaufklärung zugehörig, war ein in seiner Zeit vielge- lesener Schriftsteller. Er schrieb Lustspiele und Romane, so »Faramonds Familiengeschichte in Briefen« (1779), »Der Empfindsame Maurus Pankrazius Ciprianus Kurt« (1781/83), »Wenzel von Erfurt. Eine Robinsonade« (1784/86). Darüber hinaus wirkte er als kritischer Publizist. Unter den Rezensionen, die er für die »Erfurtische gelehrte Zeitung« schrieb, sind die bedeu- tendsten die über Friedrich Schillers »Die Räuber« – die erste Rezension zu diesem Stück überhaupt – und die zu Johann Karl Wezels »Ueber Sprache, Wissenschaften und Geschmack der Teutschen«. 11 1784/85 gab Timme die satirisch-moralische Wochenschrift »Der Luftbau- meister« heraus, die sich »als Organ einer selbstreflexiven und selbstkritischen Aufklärung« 12 verstand. Als der Historiker und Publizist Johann Georg Meusel (1743–1820), Professor an der Erfurter Universität, 1779 mit den »Miscellaneen artistischen Inhalts« die »erste große Kunst- zeitschrift in Deutschland« 13 begründete, beteiligte sich auch Timme, wobei acht Beiträge entstanden. Für die Mitarbeit an den »Miscellaneen« war Timme besonders befähigt, da er sich vor seiner Profilierung als Schriftsteller der Malerei gewidmet hatte. Er soll »die Malerei bei einem Hofmaler in Gotha erlernt« 14 haben. Bei diesem dürfte es sich um den von 1771 an nachweisbaren Maler Ernst Christian Specht (†1806) 15 gehandelt haben, dem wir auch das einzige überlieferte Bildnis Böhlers verdanken (Abb. 1). Obwohl Timme die Malerei bald nur noch nebenher betrieb, hat er auf diesem Gebiet doch genug geleistet, um als »Bildnis- und Genremaler« 16 in die Künstlerbiographik Eingang zu finden. In den »Miscellaneen« setzte sich Timme auch kritisch mit den Werken des hoch an- gesehenen Kupferstechers Daniel Chodowiecki (1726–1801) auseinander, woraus sich eine

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