Leseprobe

42 Nora Kindermann Ein Kleinod wird wiederbelebt Der Hempelsche Garten in Plauen im Vogtland Im Zuge der Sanierung und Revitalisierung des Areals der ehe- maligen Hempelschen Fabrik in Plauen durch Umbauten und Umnutzungen rückt auch der jahrelang brach liegende Hem- pelsche Garten in den Fokus der Öffentlichkeit. Auch er soll in den nächsten Jahren revitalisiert und gartenkulturell wiederbe- lebt werden – nicht zuletzt in Zusammenhang mit den Planun- gen, die für das Spitzenmuseum in einemTeil des Weisbachschen Hauses und für den unmittelbar benachbarten Weisbachschen Garten existieren. Die Entwicklung des Hempelschen Gartens ist eng mit der Geschichte der Firma F. A. Hempel verbunden. Zum Ende des 19. Jahrhunderts lassen sich zahlreiche Bespiele aufstrebender Fabrikanten finden, die sich in unmittelbarer räumlicher Nähe ihres Firmensitzes eine Villa samt Garten errichten ließen. 1 Auch der Hempelsche Garten liegt in direkter Nachbarschaft der Fir- ma und besaß zahlreiche räumliche Bezüge zu den angrenzenden Fabrikgebäuden. Die Chemische Bleicherei, Färberei und Ap- preturanstalt von Friedrich August Hempel (19. 12. 1802–30. 12. 1876), die im 19. Jahrhundert eines der bedeutendsten Plauener Unternehmen war (Abb. 1) , gehörte zu einer großen Zahl von Firmen der Textilindustrie in Plauen. Diesen Firmen verdankte Plauen »seine Blütezeiten in Perioden des wirtschaftlichen Auf- schwungs im 18. Jahrhundert als Ort frühindustrieller Entwick- lung und im späten 19. Jahrhundert als Zentrum der Spitzen- und Stickerei-Industrie. Die Plauener Textilgewerbe, insbesondere jedoch die Stickerei- und Spitzen-Industrie und die ihr vor- und nachgelagerten Gewerbe, waren der Motor für die Entwicklung der Stadt Plauen zur Großstadt.« 2 Im Jahr 1830 erfolgte die Gründung des Unternehmens- standorts der Firma F. A. Hempel in zwei kleinen Gebäuden an der Bleichgasse schräg gegenüber des heutigen Weisbach­ schen Hauses. Als einer der ersten hatte sich der gebürtige Plauener Friedrich August Hempel, dessen Vater bereits Baumwollwarenbleicher war, mit einer Lohnbleiche selbst- ständig gemacht. Der Erfolg gab ihm in den Folgejahren Recht, die Firma wuchs stetig und wurde immer wieder um neue Fabrikgebäude erweitert. Als erste ihrer Art besaß sie bereits in den 1850er-Jahren einen Dampfantrieb, dessen Ka- pazität kontinuierlich ausgebaut wurde. 3 Auf den Stadtkarten Plauens aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts kann man auf dem Areal der späteren Firma Hempel bereits Gebäude am Standort der heutigen sogenann- ten Handwerkerhäuser sowie ein langgezogenes, sich von Nord nach Süd erstreckendes Gartengrundstück mit einzelnen Bäu- men erkennen. 4 Es wird von zwei anderen Gärten begrenzt, wobei der östliche mit einer Einfriedung und einer regelmäßi- Abb. 1 Plauen, Hempelsche Fabrik, Vogelschauperspektive auf das Firmengelände, Lithographie auf einem Briefbogen der Firma, Laufzeit 1900 bis 1921.

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