Leseprobe

Ein Kleinod wird wiederbelebt 43 gen Baumsignatur versehen ist. Die Gehölze weisen im Ver- gleich zu anderen Bäumen auf dem Plan relativ kleine Kronen auf. Möglicherweise handelte es sich um einen Obstgarten. Nachdem das Areal in den Besitz von Friedrich August Hempel gekommen war, blieb der Garten weiterhin in Nutzung, wie dem Plan vom September 1872 5 zu entnehmen ist. Hier wird der Bereich zwischen der neu zu bauenden Fabrikhalle (2017 abgerissen) und dem neugebauten Stall (später Kutscherwohn- haus) als »Garten des Herrn F. A. Hempel« bezeichnet. Das westlich angrenzende Flurstück wird als »Löberings Garten« geführt, auf späteren Plänen wird hier »Banquier Löbering« als Besitzer vermerkt. Die Stadtkarte von 1875 6 zeigt, dass die Bebauung des Fabrikgeländes fortgeschritten ist und dokumen- tiert den Gebäudebestand vor dem Bau der Villa. Ende April 1875 wurde der »Situationsplan zumWohnge- bäude für Herrn R. Hempel« 7 beim Bauamt der Stadt Plauen eingereicht. Nach einem Entwurf von Carl Ernst Hofmann ließ sich hier der jüngere Sohn des Firmengründers, Richard Hempel (2. 3. 1849–10. 12. 1925), ein zweigeschossiges neoklassizistisches Bauwerk errichten. Der Lageplan zeigt den Standort des Villen­ neubaus, welcher an der südlichen Grenze des vorhandenen Gartens platziert wurde. Die relativ regelmäßige Baumsignatur zeigt den bestehenden Baumbestand – unmittelbar nördlich an die Villa angrenzend und im benachbarten Gartengrundstück. Auch das vorhandene Fabrikgebäude und das Kutscherwohn- haus sind eingetragen. Für Dezember 1877 8 ist dokumentiert, dass die Villa bereits genutzt wurde. In den Folgejahren fanden am Grundstück weitere bauliche Maßnahmen statt, wie der Bau einer Einfriedung entlang der Hofwiesenstraße im Jahr 1879 9 und diverse Erweiterungen des Gebäudes (Abb. 2) . Nach dem Tod des Vaters im Jahr 1876 übernahmen seine Söhne Friedrich August (29. 9. 1839– 6. 9. 1908) und Richard Hempel das Geschäft und führten es erfolgreich weiter. Letz- terer wohnte bis zu seinem Ausscheiden aus der Firma in der für ihn errichteten Villa und zog später aus Plauen weg. Danach bezog August Hempel dieses Gebäude. Nach seiner zweiten Heirat ließ er 1889 die Villa Hofwiesenstraße 12 erbauen und zog in diese um. Sein Sohn aus erster Ehe, Walter Hempel († 1941), blieb in der Hofwiesenstraße 24 wohnen. 10 Insgesamt herrschte auf dem Gelände der Firma F. A. Hempel zum Ende des 19. Jahrhunderts eine rege Bautätigkeit, wie die Situations- pläne des Firmengeländes in den Bauakten belegen. Neue Fa- brikgebäude kamen hinzu und freie Zwischenräume wurden baulich verdichtet. In diese Zeit fällt auch die erste Erweiterung des Garten- grundstücks nach Westen. Mit dem Kauf eines Teilstücks 11 des westlich an die Villa angrenzenden Grundstücks von den Lö- beringschen Erben im Jahr 1893 erfuhr der Garten eine we- sentliche Erweiterung. Der Lageplan vom November 1893 zeigt den Verlauf der neuen Garteneinfriedung (Abb. 3) , die vormalige Flurstücksgrenze ist gestrichelt eingetragen. Entlang der neuen Grenze zur Hofwiesenstraße sollte ein gusseiserner Zaun mit steinernem Sockel errichtet werden. Der bisherige, nördlich der Villa gelegene Garten ist skizzenhaft eingetragen. Erkennbar sind vier ungleich groß geformte Kompartimente mit abgerundeten Ecken und einemWegekreuz in der Mitte. Die sehr grobe Darstellung zeigt angedeutete Pflanzflächen auf beiden Seiten der Laube am Südgiebel des Kutscherwohn- hauses, von dessen südöstlicher Ecke ein Zaun zum benach- barten Fabrikgebäude verläuft. Diese nördliche Garteneinfrie- dung besitzt einen mit einem Strich markierten Durchgang zum angrenzenden Fabrikgelände. Darüber hinaus sind zwei Baumsignaturen nachweisbar. Ein weiteres Beet mit einer ei- genwilligen Signatur befindet sich am Fabrikgebäude. Entlang A Gartenanlage in Zusammenhang mit Villa entstanden 1875 B 1. Gartenerweiterung 1893 C 2. Gartenerweiterung 1903 1 Bau Villa 1857 2 1. Anbau – Küche 1882 3 2. Anbau – Veranda mit Metalldach + Gartentreppe 1889 4 3. Anbau – Eingangsbereich 1889 I Gewächshaus 1895, dann Umbau zu »Economiser« 1911 II Esse 1911 III Gewächshaus 1911 IV offener Wagenschuppen 1911 Abb. 2 Darstellung der Grundstücksentwicklung Hofwiesenstraße 24 in Plauen sowie der Anbauten an die Villa und an das angrenzende Fabrikgebäude, genordet, 2020.

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