Leseprobe

Veranstaltungen und Berichte 133 kleinen, unter die Güterwagen zu schiebenden Transportwagen, die per Endlosseil bewegt werden, und wird von einem Reiter- stellwerk aus gesteuert ( Abb. 1 ). Der Verein konnte die Anlage durch den Erwerb im Jahr 2007, ihre schrittweise Sanierung und Pflege sowie die Einrichtung eines Schaubetriebs erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich machen. 2014 wurde er da- für mit dem Deutschen Preis für Denkmalschutz in Form der »Silbernen Halbkugel« ausgezeichnet. Mit dem »Schauplatz- Express« fuhr die Gruppe in das angrenzende Sächsische Eisen- bahnmuseum im ehemaligen Bahnbetriebswerk, das zusammen mit dem Rangierbahnhof Ende des 19. Jahrhunderts entstanden ist. Seine Aufgabe war die Herstellung der Betriebsbereitschaft von Lokomotiven: neben Wartung und kleinen Reparaturen umfasste das insbesondere auch das Anheizen der Dampfloks auf Betriebstemperatur. Heute stellt der Komplex aus zwei großen Ringlokschuppen (Rundheizhäusern, Abb. 2 ), Verwal- tungs- und Sozialgebäuden, einem Stellwerk und weiteren Funktionsbauten, technischen Anlagen sowie der verbinden- den Gleisinfrastruktur das größte noch betriebsfähige Dampf- lok-Bahnbetriebswerk Deutschlands dar. Überregional wird es als bedeutendes Dokument vergangener Eisenbahngeschichte verstanden und besitzt daher nationale Bedeutung. Die Fahrt führte dann weiter nach Flöha zur ehemaligen Baumwollspinnerei Clauß, 2 einem gelungenen Beispiel kom- munalen Engagements, an der Flöhas Oberbürgermeister Vol- ker Holuscha mit seinen Amtsleitern Janet Pentke (Kämmerei), Martin Mrosek (Hauptverwaltung) und André Stefan (Bauver- waltung) die Gäste empfing. Im Jahr 1789 als Bleicherei und Färberei entstanden, ist die »Alte Baumwolle« eine der ältesten Spinnereien Sachsens, die Ende des 19. Jahrhunderts zu einem der größten dieser Betriebe in Sachsen und um 1900 unter Ernst Stephan Clauß zu einem der modernsten in Deutschland zählte. Seit der Produktionseinstellung im Jahr 1994 erfährt das Areal eine Wertschätzung, die vielen vergleichbaren Standorten versagt bleibt. Es wird zum neuen Zentrum des erst in den 1920er-Jahren aus mehreren Einzelgemeinden zur Stadt zusam- mengeschlossenen Ortes. Die Kommune ging und geht mit gutem Beispiel voran. Sie entwickelte nach Erwerb des Geländes im Jahr 2001mit Fördermitteln aus verschiedenen Städtebauför- derprogrammen nicht nur den »Wasserbau« ( Abb. 3 ) und die große Shedhalle als Orte verschiedener öffentlicher Nutzungen wie z. B. Stadtbibliothek, Vereinsräume, einer Kindertagesstätte und eines Veranstaltungssaales, sondern initiierte auch einen Wettbewerb für das Gesamtkonzept. Von Anfang an bezog die Stadt zahlreiche Experten in die unterschiedlichsten Planungs- phasen ein. Seit dieser Zeit bemühte sie sich auch um die Ver- marktung des sogenannten Neubaus als größtem Gebäude des Standorts. Nach drei vergeblichen Anläufen zur Etablierung eines Einkaufszentrums ist selbiges 2019 eröffnet worden. Als Abb. 3 Alte Baumwolle Flöha, der Wasserbau nach Norden, 2020. Abb. 2 Schauplatz Eisenbahn Chemnitz-Hilbersdorf, Besichti- gung des Ringlokschuppens, links Dr. Maximilian Claudius Noack, rechts Staatsminister Thomas Schmidt vor historischen Dampfloko­ motiven, 2020.

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